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20. Tagesbericht Do, 16.07.2009

Tageskilometer: 148,5 km
Fahrzeit: 06:19 Std
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,25 km/h
Kalorienverbrauch: 3127 kcal
Durchschnittspuls: 116 bpm
Pulsschläge: 43964

Kaaresuvanto — Kautokeino
Martins Tagebuch

Es war ein guter Tag, auch wenn es in Kaaresuvanto (Finnland) um 08:30 Uhr zunächst mit Regen losging. Wir hatten uns entsprechend mit unserer Regenbekleidung und Radüberschuhen für das Wetter und die Gischt der vorbeifahrenden Autos ausgerüstet.
Vor der Abfahrt
Nach einer Stunde hörte es dann zu regnen auf und nur das Spritzwasser der Straße trübte den kompletten Genuss. Es ging ca. 90 km durch Finnland bevor wir dann Norwegen erreichten. Die Ortsnamen in Finnland sind eine spannende Geschichte, selbst mit dem relativ langsamen Rad gelingt es nicht in der Vorbeifahrt den Ortsnamen komplett zu lesen. Einen Straßennamen konnten wir fotografieren und werden zuhause versuchen diesen Namen auszusprechen. Gelandet sind wir dann schließlich in Kautokeino und haben diesmal eine Komforthütte mit eigener Dusche und Küche erwischt. Das hatten wir das letzte Mal — nach meiner Erinnerung — in Östersund, aber das ist 1.000 km her. Die Flaute gestern war wohl überwiegend auf die falsche Ernährung am Vorabend und Gestern zurückzuführen. Wie bei einem richtigen Projekt, darf man eben auch zum Ende hin nicht zu schlampen anfangen und muss bis zum Schluss die Konzentration behalten. Es war mir eine Lehre und ich folge wieder konsequent Ruprechts Empfehlungen, selbst wenn ich dann in nun 20 Tagen 40 x Pasta hatte. Aber bald ist Basta mit Pasta.

Von dem Schild am Grenzübergang Schweden?Finnland mit der Angabe 434 km zum Nordkap haben wir uns täuschen lassen, das muss wohl die Luftlinie sein. Beim heutigen Start waren es noch 482 km gewesen und nun sind es immer noch 335 km. Wir kommen der Sache langsam näher. Ob das jetzt noch 2 oder 3 Tage werden, liegt zum einem am Wetter, die letzten 10 km heute hatte es wieder geregnet. Es ist aber auch von den Übernachtungsmöglichkeiten abhängig. Das nächste Tagesziel ist wohl der Zeltplatz in Alta, nur 132 km von dem heutigen Ort Kautokeino entfernt. Dann kommt zwischen Alta und Skaidi aber 87 km nichts außer Gegend. Uns liegen keine Informationen vor ob es dazwischen — außer wildem Camping — eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Von Alta zm Nordkap sind es 218 km. Bei gutem Wetter und Rückenwind mit meinen beiden Mitstreitern Hendrik und Gerald kein Problem, die Wettervorhersage ist aber nicht eindeutig. Wir werden sehen, wie das Wetter wird und wie sich die Übernachtungssituation darstellt. Ob das Nordkap von Österreich aus nach 22 oder 23 Tagen erreicht wird ist mir wirklich wurscht. Trotzdem, ich freue mich auch auf zuhause und träume davon meine Familie wieder in die Arme zu schließen.
Unaussprechliche Namen prägen die Fahrt durch Finnland
Gegen Ende der langen Reise wollte ich ja noch etwas über mein Rad berichten. Man soll den Tag zwar nicht vor dem Abend loben. Für die letzten zwei Tage habe ich mir aber andere Themen vorgenommen.
Zu Hause in der Garage stehen ein Rennrad und ein Mountainbike, beides keine idealen Fahrzeuge für eine solche Aktion. Richtig wäre ein Trekkingrad mit richtigen Gepäckträgern gewesen. Aber extra ein drittes Rad kaufen? Nein es muss auch anders gehen. Das Mountainbike schied aus, zu langsam einfach ungeeignet, also musste das Rennrad herhalten. Vor 5 Jahren hatte ich mir dies selbst zur Belohnung gekauft, nachdem ich von 97 kg auf 77 kg abgespeckt und meine körperliche Leistungsfähigkeit wiederentdeckt hatte.

Es wurde ein Colnago Rennrad mit Alurahmen und Carbongabel, besitzt eine Shimano Ultegra Ausstattung mit einem dreifach Kettenblatt vorne und 9 Kränzen hinten. Der Laufradsatz besteht aus Mavic Ksyriumfelgen mit Schwalbe Ultremo Bereifung. Peter Stegmeier, mein Begleiter des 2. Tages von Heidenheim aus (liegt ganz weit weg von hier) hat zwar recht wenn er sagt an ein italienisches Rad gehört auch eine italienische Schaltung von Campagnolo, aber das ist nur Ästhetik. (Anmerkung der Redaktion: Ich teile hier die Meinung von Peter — hier geht's um Philosophie. Es kommt ja auch niemand auf die Idee zu Parmaschinken Obstler und Bier zu trinken.) Ich bin mit allen Komponenten bisher sehr zufrieden und klopfe dabei dreimal auf Holz. Keine Panne bisher, die öl- und teerverschmierte Schaltung läuft optimal. Auf die 25 mm Bereifung kommen 7 bar. Ergänzt wird die Sache von einem Sigma Radcomputer für die Funktionen, gefahrene km, Durchschnittsgeschwindigkeit, max. Geschwindigkeit und gefahrene Zeit. Die weiteren Informationen, aktueller Puls, durchschnittlicher Puls und Kalorienverbrach lese ich von meiner Polarpulsuhr ab. Aber wohin mit dem Gepäck? Da habe ich lange überlegt. Eine VAUDE-Lenkertasche mit 4,5 Liter Inhalt schmiegt sich harmonisch zwischen die Schalt- und Bremszüge. Sie fixiert auch die Kartentasche — ein wichtiger Bestandteil. Bei der Gepäcktasche bin ich auf einen TOPEAK Sattelstützengepäckträger gekommen, dafür gibt es eine Tasche mit 21 Liter Fassungsvermögen und maximal 9 kg zulässigem Gewicht. Das war grenzwertig aber letztlich ist es gut gegangen. Es bleibt aber zu sagen, dass es ein Kompromiss war und Nachahmer sollten ausprobieren, ob sie mit diesem labilen Fahrgefühl leben können.

Also bisher ging alles mit der Ausrüstung von Rad und Zubehör. Hoffentlich bleibt es so.
Norwegen ist erreicht
Hendrik fährt ein von Volker Mailach zur Verfügung gestelltes Crossrennrad. Das Rad gehört seinem Sohn Fabian und wird im Wintertraining für die Geländeeinheiten benutzt. Im Gegensatz zu einem normalen Rennrad, sind die Schalt- und Bremszüge über das obere Rahmenrohr verlegt, damit durch Dreck und Matsch die Funktion nicht beeinträchtigt wird. Auch sind, anders als beim Straßenrennrad, die vom Mountainbike bekannten M-Bremsen montiert, die ebenfalls nicht so schnell verschmutzen. Der stabilere Rahmen (Ridley Crosswind) sorgt für die notwendige Robustheit. Für die Tortour eigentlich besser geeignet als das Straßenrennrad, da auch mit Gepäck ein stabiles Fahrverhalten erreicht wird.

Hendrik ist heute die ganze Etappe mitgefahren und hat wieder eine tolle und bewundernswerte Leistung vollbracht.

Ihr/Euer
Martin Krick

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